Weil wir gefragt werden

Weil wir gefragt werden

 

Priester, Pfarrer*innen sowie theologisch-pädagogische Mitarbeitende der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche werden häufig mit Fragen von Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen, Mitgliedern oder Schüler*innen zum neo-charismatischen Christentum konfrontiert.
Die folgende Arbeitshilfe wendet sich an kirchliche Multiplikator*innen und soll ihnen dabei helfen, solche Fragen zu beantworten. Daher folgt sie dem Schema „Frage und Antwort“. Nach einigen grundsätzlichen Klärungen folgen Fragen zu Glaubensvorstellungen und -praktiken, die in manchen Teilen des neo-charismatischen Christentums anzutreffen sind. Am Ende geht es um organisatorische Überlegungen und Fragen der Zusammenarbeit.
Dabei haben wir uns die hier zusammengestellten Fragen nicht selbst ausgedacht, vielmehr sind es genau diejenigen Fragen, die uns in der Beratungstätigkeit immer wieder vorgelegt werden. Der Titel der Arbeitshilfe „Weil wir gefragt werden“ entspricht also unserer täglichen beruflichen Wirklichkeit.
Dabei ist uns wichtig, dass die vorliegende Arbeitshilfe nicht im Sinne einer konfessionskundlichen Einführung ins neo-charismatische Christentum interpretiert wird. Wer sie als solche missverstünde, würde ein sehr verzerrtes Bild dieses Spektrums des christlichen Glaubens erhalten.
Diese Arbeitshilfe ist keine offizielle Stellungnahme unserer Kirchen zum neo-charismatischen Christentum. In ihr wird lediglich eine mögliche (nicht die einzige), vorläufige (nicht letztgültige) Position zum neo-charismatischen Christentum vertreten. Das „wir“, das sich darin äußert, gibt die gegenwärtigen Ansichten der Herausgebenden wieder, die in ihren jeweiligen Kirchen unter anderem für diese Thematik zuständig sind.
Zugleich ist dieses „wir“ ein zum Diskurs einladendes „wir“: Es lädt dazu ein, in der Auseinandersetzung mit den hier vorgestellten Positionen zu eigenen theologischen Antworten zu gelangen und mit den Herausgebenden dazu in einen theologischen Austausch zu treten.
Wo es uns angebracht erscheint, werden wir sowohl römisch-katholische als auch evangelisch-lutherische Argumentationslinien vorstellen. Wir sind Gott dafür dankbar, dass die ökumenische Zusammenarbeit der Weltanschauungsbeauftragten in Bayern solche Früchte hervorbringt.
Seit der Veröffentlichung der ersten Auflage (2017) haben wir als Herausgebende mit vielen Partner*innen aus Theologie, Kirche und Ökumene und mit pfingstlichen und neo-charismatischen Geschwistern darüber gesprochen. Manchen Hinweis haben wir in der vorliegenden, zweiten, überarbeiteten Auflage dankbar aufgenommen; einige Missverständnisse haben wir zu klären versucht; wo uns grundlegende theologische Unterschiede und seelsorgerische Problemstellungen noch deutlicher bewusst wurden, haben wir sie noch ausdrücklicher formuliert.
Wir sind überzeugt, dass ein ökumenischer Diskurs auf Augenhöhe mit unseren neo-charismatischen Geschwistern impliziert, die Positionen aller Gesprächspartner*innen in ihrer Verschiedenartigkeit wahrzunehmen und nicht vorschnell zu vereinnahmen. Für den Diskurs ist es förderlich, Unterschiede zu benennen, theologisch einzuordnen und einzuschätzen, dabei am eigenen Wahrheitsanspruch festzuhalten und zugleich lernbereit und gesprächsoffen zu sein.