"Sekte?"

Sozialkontrolle
Zu Beginn wird durch innige Zuwendung der Eindruck erweckt, in der Gemeinschaft nun endlich Menschen gefunden zu haben, die beste Freunde, die neue, wahre Familie werden können. Das vorherige Leben wird als fehlerhaft, schuldbeladen, problemstiftend abgewertet. Im weiteren Verlauf wird vorgeschrieben, mit wem Kontakt zu pflegen ist und welche Beziehungen abzubrechen sind. Mitglieder überwachen sich gegenseitig. Die Einhaltung der Gruppenregeln wird strikt kontrolliert. Hobbys und andere Freizeitbeschäftigungen sind nur erlaubt, wenn sie den Interessen der Gemeinschaft dienen. Informationen werden von der Gruppe gesteuert, da alles, was von außen kommt, falsch oder unzuverlässig ist. Privatleben ist kaum möglich. Nach und nach bildet sich eine „Sektenidentität“ aus.
 
Überwissen
Die Gruppe ist hierarchisch auf den Meister / Guru ausgerichtet. Ihm oder ihr ist das heilsbringende Wissen zu verdanken. Dies führt zur Heiligenverehrung. Was von oben kommt wird dankbar angenommen. Kritik an der Führung kommt in vielen Gemeinschaften einer Kritik an Gott gleich.
 
Abhängigkeit
Zunächst ist es unmöglich, sich ein konkretes Bild von der Gruppe zu machen. Verständnis kommt erst in der Gemeinschaft und benötigt Zeit. Fasten, Schlafentzug, Mangel an Privatspähre wirken destabilisierend. Zweifel haben immer mit mangelndem persönlichen Einsatz oder zu schwachem Glauben zu tun. Die soziale Kontrolle macht es äußerst schwer, aus der Gruppe auszusteigen und ein Leben außerhalb der Gemeinschaft zu leben.

Wahrheitsmonopol
Nur die Gemeinschaft kennt die Wahrheit, die die Welt erklären kann. Schon die Erstbegegnung vermittelt ein klares und einfaches Weltbild, das Patentrezept. Auch in Gesundheitsfragen hat die Gemeinschaft ihre eigenen Konzepte. Der Besuch des Arztes wird meist nicht direkt verboten, gilt aber als Mangel an Glauben. Die in der Gemeinschaft vermittelten Methoden gelten absolut. Nur mit deren Hilfe kann persönliche und globale Entwicklung geschehen.

Exklusivität
Die Mitglieder sind die Avantgarde. Die Gruppe erweckt den Eindruck, genau das zu liefern, was jeder immer vergeblich gesucht hat (Lebenssinn, Gesundheit, Erfolg ...). Nur mit Hilfe der Gemeinschaft und in ihr ist der drohende Weltuntergang zu überleben oder gar zu verhindern. Die Gruppe ist die „Neue Familie“, die die bisherige unwichtig und unerwünscht werden lässt. Es wird eine eigene Sprache benutzt, die nur innerhalb der Gemeinschaft verstanden wird.

Fanatismus
Die Gruppe nimmt immer mehr Zeit in Anspruch für das Anwerben neuer Mitglieder, den Verkauf von Büchern, Kursen etc. Mitglieder sollen mit einem kompromisslosen Sendungsbewusstsein ausgestattet sein, um andere zu missionieren oder anzuwerben. Das Denken ist von einfachen Schwarz-Weiß-Vorstellungen geprägt. Schattierungen und bunte Vielfalt werden aus dem Bewusstsein und dem Leben verbannt. Gut ist alles innerhalb der Gruppe, schlecht und falsch die Welt da draußen. Der Gedanke, die Welt retten zu müssen, bestimmt das Leben der Mitglieder. Nur so kann das Paradies auf Erden (für die Mitglieder) möglich werden. Es kommt zur Umwertung aller Werte. Dies hat letztlich die Unmöglichkeit eines Lebens außerhalb der Gemeinschaft zur Folge. Aussteiger werden als Verräter gesehen, von denen man sich distanzieren muss.